Podiumsdiskussion

Vision & Zukunft: Mental Health

Mentale Gesundheit ist ein Thema das alle betrifft und trotzdem erreicht es nicht alle. Wie kann man das ändern? Wie muss ein Produkt bzw. Service aussehen, dass dies ändert? Unsere Sichtweise darauf teilen wir in diesem Beitrag mit Ihnen.

"Die Psychotherapie ist aktuell vielerorts noch höchst Papier lastig. 
Wir wissen, dass die Zukunft der Psychotherapie «Blended» ist. Also die Kombination von Therapie vor Ort und dem individuellen Fortsetzen der Therapie im online-Psychotherapie Format. 
Unser Ziel sollte sein, in einem ersten Schritt Routine-Aufgaben zu digitalisieren und zu automatisieren. Die wissenschaftlich validierten Therapieinhalt werden auf die individuellen Bedürfnisse von Kunden, Therapeuten und Patienten angepasst und personalisiert. Die Studienlage und auch die soziodemographische Entwicklung zeigt klar: Die Zukunft der Psychotherapie ist ein kombiniertes Setting, vor-Ort und digital. Lösungen wie zum Beispiel YLAH ermöglicht sowohl Therapeut:innen und Patient:innen, zu jedem Zeitpunkt der psychotherapeutischen Reise den so wichtigen «human touch» beizubehalten. Dies trägt zur Adhärenz und Qualität der Behandlung bei und sollte im Interesse aller involvierten Parteien sein: Forschung, Klinik, Therapeut:innen, Patient:innen, Bezahler und Politik. Gemeinsam für eine nachhaltigere Versorgung. Outcome- und nicht tarifbasiert."

Florence von Gunten, Co-Founder & CEO, YLAH AG


"Im 20. Jahrhundert waren die Gesundheitssysteme auf die Akutversorgung spezialisiert. Im 21. Jahrhundert stehen wir nun vor der Herausforderung, uns mit den spezifischen Merkmalen nicht übertragbarer Krankheiten, einschließlich verbreiteter psychischer Störungen, auseinanderzusetzen. Nichtübertragbare Krankheiten sind für etwa 70 % aller Todesfälle weltweit und 85 % aller Todesfälle in Europa verantwortlich und verursachen zwischen 2011 und 2025 einen geschätzten wirtschaftlichen Verlust von 7 Billionen US-Dollar. Chronische und psychische Krankheiten zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass sie ein Interventionsparadigma erfordern, das sich auf Prävention und Lebensstiländerung konzentriert. Der Lebensstil (z. B. Ernährung, körperliche Aktivität, Tabak- oder Alkoholkonsum) kann das Risiko, an einer chronischen Krankheit zu erkranken, oder, falls bereits vorhanden, deren Belastung verringern. Eine entsprechende Änderung des Lebensstils wird jedoch nur von einem Bruchteil der Betroffenen umgesetzt, teils aufgrund fehlender oder unzureichender Interventionen oder Gesundheitskompetenz, teils aufgrund soziokultureller Einflüsse. Ein individuelles persönliches Coaching dieser Personen ist weder skalierbar noch finanziell tragbar. Prävention, Digital Health, GenZ, Self-Love Crisis, Data Assessment, User Engagement sind alles Buzzwords welche relevant sind, wenn man mentale Gesundheit massentaugliche machen möchte. Und auch wenn es bereits über 30'000 mentale Gesundheitsapps gibt mit ganz verschiedene Ansätze, hat es noch keiner geschafft, aus der Nische auszubrechen. Was ist dazu nötig? Wie muss ein Produkt bzw. Service aussehen, dass dies ändert? Dazu in diesem Beitrag unsere Sichtweise."

Marten Strotkötter, Co-Founder, Soleil Health


"Die Förderung der (mentalen) Gesundheit rückt in vielen Organisationen, vom Gesundheitswesen bis zur Bankenbranche, in den Fokus, da die Langzeitabsenzen und Fluktuationen wegen der Arbeitsüberlastung ansteigen, Mitarbeitende den Anspruch auf ein nachhaltiges Arbeitsumfeld haben oder weil dies von der Geschäftsleitung als Jahresziel definiert wurde.
Der Startschuss fällt vielfach mit einer breiten Befragung zum Befinden der Mitarbeitenden, welche durch ein ausgeweitetes Sportangebot, eine Bewegungswoche und gesünderes Essen im Snack-Automat gefolgt wird. Danach wird meistens eine Anspruchsstelle für mentale Gesundheit im Unternehmen oder eine Psychologen-Hotline ausgerollt und vielfach mit Resilienz-Seminare für die Mitarbeitenden und Schulungen zur gesunden Führung ausgeschmückt. In digitalisierten Unternehmen werden verschiedene KI-basierte Analysetools ausgerollt, welche aus verschiedensten Datensätzen die Wahrscheinlichkeit von mentalen Problemen bei den Mitarbeitenden probieren vorherzusagen, um frühzeitig helfen zu können. 
In vielen Fällen besteht jedoch das Problem, dass diese Initiativen keinem systematischen Konzept folgen und die Angebote von Mitarbeitenden besucht werden, welche sich schon aktiv mit den Themen befassen und sich auf einer Risikokarte wohl eher in einem grünen Bereich befinden. Mitarbeitenden aus dem orangen und roten Bereich werden vielfach nicht erreicht, da wir mit der Problematik von fehlender Sensibilisierung zum eigenen Befinden und nicht von fehlendem Zugang zu Gesundheitsangeboten konfrontiert sind.
Welche Rolle spielt der Teamdialog bei der Sensibilisierung und Förderung der mentalen Gesundheit? Wie kann ein Unternehmen mit wenig Aufwand ein Frühwarnsystem etablieren? Und wie kann Technologie aktiv den effektiven Teamdialog fördern?"

Loris Niederberger, Co-Founder & Lead Business Development, Moodtalk AG


Referent*innen (4)

Moderation: Franziska Steiner

Moderation: Franziska Steiner

Board Member Swiss Healthcare Startups

Florence von Gunten

Florence von Gunten

Co-Founder & CEO, YLAH AG

Marten Strotkötter

Marten Strotkötter

Co-Founder, Soleil Health

Loris Niederberger

Loris Niederberger

Co-Founder & Lead Business Development, Moodtalk AG

Zugehörige Themengebiete (1)