Fachwissen

SHIP sorgt für eine gemeinsame Sprache

Wenn sich Spitäler um Administratives kümmern, geht wertvolle Zeit verloren. Zeit, die den Patientinnen und Patienten abgeht. Das geht effizienter: SHIP vereinfacht das Schweizer Gesundheitswesen und stellt sicher, dass alle Beteiligten zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Informationen haben.

Eine Innovation, erklärt im Interview mit Michael Stutz, Mitglied der Geschäftsleitung SASIS AG und Leiter Abteilung SHIP. 

Michael Stutz, erklären Sie uns SHIP bitte kurz in einem Satz.

Gern! SHIP digitalisiert die Kommunikation im Gesundheitswesen zwischen Leistungserbringer und Kostenträger.

Und in mehr als einem Satz?

SHIP definiert die Art der Kommunikation. Also wie genau der Leistungserbringer mit dem Kostenträger spricht in Bezug auf Patienten- und Kostenträgeridentifikation, Kostengutsprache, Behandlungsbeginn und -ende, Rechnungsübermittlung und dem Zahlungsverkehr. Hier haben wir eine durch eCH einheitliche Sprache festgelegt. Das heisst, wir harmonisieren, standardisieren, automatisieren und digitalisieren den Prozess in der ganzen Patientenadministration.

Gab es das in dieser Form noch nicht?

Nein. Das Innovative an SHIP ist, dass wir wie eine Art digitale Datenautobahn funktionieren. Wir standardisieren und digitalisieren Prozesse, legen quasi das Strassennetz und die Regeln fest, wie man darauf verkehrt. Oder anders gesagt: Wir sorgen für eine gemeinsame Sprache und dafür, dass die Partner sich gegenseitig verstehen. 

Wie funktioniert das genau?

Bei SHIP handelt es sich um einen Prozessstandard und eine Software. SHIP wird in die Software der Teilnehmer integriert. Diese benutzen weiterhin dieselbe Oberfläche von ihrem Kernsystem – eventuell werden einige Felder angepasst, damit der Prozessstandard richtig unterstützt wird. Danach können alle Teilnehmer miteinander in derselben Sprache sprechen und diejenigen Schritte automatisieren, die unnötige administrative Aufwände generieren.

Das bedeutet, die Anwenderinnen und Anwender müssen nichts Neues lernen?

Genau, das Einzige was sie lernen müssen, ist zu verstehen, wie der Meldungsaustausch zwischen den Teilnehmern funktioniert. Sie arbeiten aber weiterhin mit ihrer gewohnten Software. Wir arbeiten mit den Software-Häusern zusammen, die die SHIP-Prozessstandards integrieren und dadurch ihren Kunden zur Verfügung stellen.

Und was gibts in Bezug auf die Sicherheit zu sagen?

SHIP ist eine Punkt-zu-Punkt Kommunikation und basiert auf dem Prinzip eines Netzes. Es gibt keinen zentralen Server, wo die Meldungen gesammelt werden. Diese bleiben immer in den Systemen unserer Teilnehmer. Das ist auch für die Sicherheit entscheidend: Wenn die Teilnehmer miteinander die Kommunikation aufbauen, sind nur diese beiden involviert. Wir wissen also nicht, was ausgetauscht wird. Ausserdem setzen wir im Prozessdesign auf der Fachseite das Privacy-by-Design-Prinzip ein, was auch im neuen Datenschutzgesetz gefordert wird. Das bedeutet, dass man keine Datensammlungen mehr hin- und herschickt, sondern nur die relevante Information im jeweiligen Prozessschritt austauscht. Sobald die Verbindung hergestellt ist, werden nicht nur die Meldungen selbst verschlüsselt, sondern zusätzlich auch der Kanal. Bei SHIP werden mehrheitlich strukturierte administrative Daten übermittelt. Wir können heute zwar auch die bekannte XML-Rechnung übermitteln, diese ist aber im SHIP-Prozess eingebunden. Mit der Punkt-zu-Punkt-Verbindung ist sichergestellt, dass die Mitteilung genau an den richtigen Teilnehmer geht. Absolut sicher und vertrauensvoll.

Aber das Teilnehmerverzeichnis ist bei Ihnen.

Ja. Es funktioniert wie ein Telefonbuch. Die einzigen zentralen Informationsquellen sind das Teilnehmerverzeichnis und die Referenzdaten für die Prozessunterstützung. Diese Informationen werden aber auf der Teilnehmerseite gespeichert, so dass diese auch dann verfügbar sind, wenn unsere Services ausfallen würden.

Wer sind die Teilnehmenden?

Die Zielgruppe setzt sich aus allen Akteuren im Gesundheitswesen zusammen. Das sind Versicherer, Kantone, Spitäler, Spitex-Organisationen, Pflegeheime, Arztpraxen etc. Wir sind mit den Kostengutsprachen im stationären Bereich bei Spitäler gestartet und haben nun den Fallabschluss für stationär, wie auch für Spital ambulant ausgebaut und bauen nun den Spitex-/Pflegeprozess sowie Prozesse für ambulante Leistungserbringer aus.

Und was sind die Vorteile?

In erster Linie sind dies Zeit- und Kostenersparnisse. In jedem Spital geht es grundsätzlich darum, mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten zu haben. Mit SHIP kennt man ab dem ersten Teilschritt bereits den richtigen Ansprechpartner. Es braucht kein aufwändiges Recherchieren oder Nachfragen. Die Kommunikation ist strukturiert, Rückfragen reduzieren sich, langwieriges Suchen nach Ansprechpartnern, Telefonate und unzählige E-Mails entfallen. Zudem sind die Informationen vollständig, einfach zu verarbeiten und zu automatisieren.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Pilotspital Solothurn gemacht?

Der Betrieb im Spital Solothurn hat ergeben, dass bis zu 50 Prozent weniger Rechnungsrückfragen verzeichnet werden – und dies nur aufgrund von vollständigen Informationen bei den Kostengutsprachen. Das bedeutet nicht nur für die Spitäler eine enorme Entlastung, auch Versicherer profitieren davon.

Wie entstand SHIP?

SHIP entstand aus dem Branchenprojekt eKarus und wurde 2020 zu einer eigenständigen Abteilung der SASIS AG. Ursprünglich durch die Versicherer direkt als Projekt finanziert, sind wir nun in die Tochtergesellschaft von santésuisse integriert und werden von ihr und Helsana als Branchenlösung finanziert. Der Auftrag zur Prozessstandardisierung kommt von eCH. Dort gibt es die Fachgruppe «Administration Gesundheitswesen». Sie steuert die Qualität der Prozessstandardisierung und macht diese öffentlich verfügbar. SHIP setzt die Standards technologisch um und stellt diese mit den Softwarepartnern den Teilnehmenden zur Verfügung.

In welcher Reihenfolge haben Sie die Projekte priorisiert?

Die Priorisierung entstand anhand von Bedürfnissen und Ansprüchen der Teilnehmer. Wir haben für die Patientenadministration in den Spitäler die End-to-End-Prozesse festgelegt und erweitern aktuell den Pflegeprozess. Zusätzlich eruieren wir die Standardisierungspotenziale bei den ambulanten Leistungserbringern.

Ihre Systeme sind also für Leistungserbringer zu Versicherer gedacht?

Hauptsächlich ja. Da wir eine Punkt-zu-Punkt Verbindung herstellen, können theoretisch alle Teilnehmer miteinander kommunizieren, wenn es dafür standardisierte Prozesse gibt. Auch Leistungserbringer zu Leistungserbringer. In die Zukunft gedacht, kann das dann auch Leistungserbringer zu Patient und zu Versicherer sein.

Wie das E-Rezept zum Beispiel?

Genau. Das ist Bestandteil der Analyse über die Standardisierungspotenziale. Wenn das Potenzial in der Standardisierung gegeben ist, dient SHIP in der Prozessunterstützung und dort wo möglich in der Automatisierung.

Und wie gehen Versicherer mit der Digitalisierung in der Prozessstandardisierung um?

Viele Versicherer tun sich etwas schwer mit der digitalen Transformation. Zum einen gibt es die Welt mit den schönen Benutzeroberflächen und den Apps und zum anderen die Digitalisierung der Wertschöpfungsketten. Wir sind überzeugt, mit SHIP zumindest für die administrativen Prozesse die Digitalisierung voranzutreiben und die Versicherer dabei zu unterstützen, ihre Prozesse zu automatisieren. Praxisbeispiele zeigen den deutlichen Nutzen. Die Prozessoptimierung steigert die Qualität, Sicherheit und die schnellere Bearbeitung und sorgt damit für erheblichen Nutzen und Kosteneffizienz.

Leider ist Innovation nicht nur einfach …

Das stimmt. Das ist wohl auch der Grund, weshalb viele Innovationen scheitern. Wenn man eine Innovation zu Ende denkt, hat sie immer mit grundlegenden Veränderungen der Prozesse zu tun. Man muss also mit der Vergangenheit aufräumen, über das eigene Gärtchen hinausdenken. Das läutet gleichzeitig auch ein kultureller Wandel ein. In unserem Fall stehen sich die beiden Partner hart gegenüber, wenn es um Tarifverhandlungen geht – in der Digitalisierung setzt man mit SHIP auf Zusammenarbeit.



Das sind die Nutzen von SHIP 

  • Einheitlicher Standard
  • Datensicherheit und Datenschutz
  • Kostenoptimierung
  • Transparenz
  • Digitalisierung
  • Patienten-/Kostenträgeridentifikation
  • Behandlungsfalleröffnung
  • Administrative Kostensicherung
  • Bedarfsmeldung administrativer Daten
  • Austausch von Informationen
  • Rechnungsstellung
  • Steuerung Zahlungsfluss 

www.ship-standard.ch