IFAS Community 365

Mein Account

Sprache

Fachwissen IFAS 2026

Nutri-Epigenetik: Wie die Ernährung beeinflusst, welche Gene aktiv sind

Wie beeinflussen Lebensstil und Mikronährstoffe unsere Genaktivität? Dieser Fachartikel bietet Ernährungsfachpersonen einen wissenschaftlichen Einstieg in die Mechanismen der Nutri-Epigenetik.

Allvital Products BV
Halle 5 / C22

Unser Erbgut ist kein starres Programm: Unser Lebensstil und insbesondere unsere Ernährung können mitbestimmen, welche Gene in unserem Körper aktiv sind.

Was ist Epigenetik?

In jeder Zelle ist nur ein Teil der vorhandenen Gene aktiv. Die Genaktivität kann sich im Laufe des Lebens verändern – man spricht hierbei von epigenetischen Veränderungen. Es handelt sich um Markierungen an der DNA, die beeinflussen, wie leicht oder schwer ein Gen abgelesen werden kann.

Der Lebensstil hat einen wichtigen Einfluss darauf, ob eher gesundheitsförderliche oder krankheitsbegünstigende Gene aktiviert werden. Die Nutri-Epigenetik konzentriert sich speziell auf den Einfluss von Mikronährstoffen, sekundären Pflanzenstoffen, Fettsäuren und Stoffwechselprodukten der Darmflora.

Genregulation: Die wichtigsten Mechanismen

Welche Gene abgelesen und welche Proteine hergestellt werden, hängt von einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Regulationsmechanismen ab:

1. DNA-Methylierung

Hierbei werden Methylgruppen an die DNA angebracht. Eine starke Methylierung im Bereich der Startregion eines Gens führt häufig zu einer geringeren Genaktivität bis hin zur Stummschaltung.

2. Histon-Modifikation

DNA ist um Eiweißkörper (Histone) gewickelt. Chemische Veränderungen der Histone, wie die Acetylierung, beeinflussen, wie dicht oder locker die DNA verpackt ist und wie leicht Gene abgelesen werden können.

3. Nichtcodierende RNAs

MicroRNAs können an messenger-RNAs binden und so die Proteinherstellung nachträglich bremsen. Lange nichtcodierende RNAs beeinflussen wiederum, welche Gene überhaupt zugänglich sind.

Der Einfluss der Ernährung

Für die Methylierung benötigt der Körper Methylgruppen. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Molekül S-Adenosylmethionin (SAM). Für dessen Bildung sind unter anderem Folat, Vitamin B2, B6 und B12 sowie Cholin, Betain und Methionin essenziell.

Auch das Darmmikrobiom spielt eine Rolle: Bakterien bilden aus Ballaststoffen kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, welche die DNA-Methylierung und Histon-Modifikation günstig beeinflussen können. Zudem werden Pflanzenstoffe wie Curcumin, Resveratrol, Quercetin, EGCG und Sulforaphan hinsichtlich ihres epigenetischen Einflusses intensiv untersucht.

Das Ernährungsmuster zählt

Die Erkenntnisse der Nutri-Epigenetik bestätigen die Relevanz einer abwechslungsreichen, pflanzenbetonten Ernährung. Entscheidend ist das gesamte Ernährungsmuster: Kein einzelnes Lebensmittel schaltet gezielt „gute“ Gene ein oder „schlechte“ Gene aus. Vielmehr liefert eine polyphenolreiche Ernährung das Potenzial für eine günstige epigenetische Regulation.

Quelle: Dr. med. vet. Svenja Maier, Allvital (04. Aug. 2026).

Ihre Kontaktperson

V

Vesna Zeba

Fachpersonen Betreuung

Beitrag teilen

Zugehörige Themengebiete (2)